Bewertung versus Testimonial: Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Mythen
In den letzten Jahren sind die Grenzen zwischen Bewertungen und Testimonials verschwommen. Das zeigt sich besonders im B2B-SaaS-Bereich, wo zwei Dinge passieren:
- Bewertungsplattformen und -anbieter geben Anbietern zunehmend mehr Einfluss darauf, wie Bewertungen gesammelt werden, welche Fragen gestellt werden, an wen sie gestellt werden und wie sie auf der Bewertungsplattform angezeigt werden.
- Bewertungen werden zunehmend als Testimonials in Marketing- und Vertriebsunterlagen verwendet. Testimonials wiederum sammeln Unternehmen zunehmend über automatisierte In-App-, E-Mail- oder SMS-Kampagnen an viele Empfänger gleichzeitig, um möglichst viel Feedback zu bekommen.
In diesem Beitrag geht es weniger um Marketing-Definitionen oder die Frage, welches Wort das richtige ist. Es geht um die grundlegenden Treiber für den Aufbau von sozialem Beweis und darum, wie Sie Bewertungen, Testimonials oder eine Mischung aus beiden am besten nutzen, um eine glaubwürdige Marke aufzubauen. Ich erkläre, wie die Grenze zwischen Bewertungen und Testimonials verschwommen ist und warum Bewertungsplattformen und -anbieter im Umgang mit Bewertungen ernsthaft ehrlicher werden müssen.
Definitionen von Bewertungen und Testimonials
Bevor ich auf die Unterschiede eingehe, beginnen wir mit den Definitionen.
Bewertungen
Bewertungen sind positive oder negative Produktbewertungen, schriftlich oder als Video, auf Bewertungsplattformen von Drittanbietern. Verifizierte Kunden schreiben sie: Menschen, die das Produkt genutzt haben, seine Funktionen kennen und sein Preis-Leistungs-Verhältnis einschätzen können. Im Idealfall zeigen sie Stärken und Schwächen eines Produkts (Pro und Contra) aus der Sicht einzelner Nutzer.
Bewertungsbeispiel Nr. 1: Schriftliche G2-Bewertung von Freshbooks

Das ist eine positive Bewertung mit 5 Sternen und 230 Wörtern. Sie besteht aus drei vorgegebenen Fragen, die der Rezensent beantwortet. Wichtige Details belegen die Authentizität der Bewertung und die Transparenz der Plattform: Der Rezensent ist als aktueller Nutzer verifiziert. Sie sehen auch, wie er ausgewählt wurde (Freshbooks hat ihn eingeladen) und dass er dafür einen Anreiz erhalten hat.
Bewertungsbeispiel Nr. 2: Schriftliche Trustpilot-Bewertung von Buzzsprout

Das ist eine negative Bewertung mit 2 Sternen und 140 Wörtern auf Trustpilot. Interessant an Trustpilot ist der Versuch, Objektivität und Transparenz bei Bewertungen sichtbar zu machen. Links zeigt die Plattform die Durchschnittsnote von Buzzsprout in seiner Kategorie, vielleicht um deutlich zu machen, dass diese eine schlechte Bewertung nicht die Erfahrung anderer Nutzer widerspiegelt. Oben gibt es außerdem einen Bereich „Company Activity", der zeigt, auf welche „Vorteile" und Funktionen der Anbieter zugreifen kann. Das Beispiel zeigt gut, wie Drittanbieter-Plattformen für Transparenz sorgen können, wenn es um den Einfluss von Anbietern auf die Bewertungserfassung geht.
Testimonials
Testimonials sind positive Empfehlungen zufriedener Kunden, schriftlich oder als Video, die Unternehmen auf ihrer Website und in Vertriebs-, Marketing- und Werbematerial einsetzen. Kunden geben sie, wenn ihre Erfahrung mit dem Produkt gut genug war, um öffentlich dafür einzustehen. Testimonials zeigen meist eine subjektive Sicht auf Produkt und Marke.
Testimonial-Beispiel Nr. 1: Schriftliche Testimonials auf der Freshbooks-Website

Diese Testimonials von Freshbooks auf der eigenen Website zeigen eines der gängigsten Formate für diese Art von sozialem Beweis. Drei zufriedene Kunden kommen mit aussagekräftigen, wörtlichen Zitaten zu Wort, die ein klares Bild der Vorteile zeichnen, die sie mit dem Produkt erlebt haben.
Der Unterschied zwischen Bewertungen und Testimonials
Der grundlegende Unterschied zwischen Bewertungen und Testimonials liegt darin, wer sie sammelt. Dieses „Wer" bestimmt dann drei weitere Schlüsselfaktoren: wer sie validiert, in welchem Kontext sie stehen und welchem Zweck sie letztlich dienen.
Wer sammelt sie
Bewertungsplattformen von Drittanbietern sammeln Bewertungen. Im B2B-SaaS-Bereich sind das zum Beispiel:
- G2
- Capterra, GetApp und Software Advice
- Gartner Peer Insights
- TrustRadius
- Trustpilot, um nur einige zu nennen.
[going_further_shortcode url="/reviews/gartner-capterra-getapp-software-advice/"]Um Bewertungen zu sammeln, müssen Anbieter (SaaS-Unternehmen) zunächst ihr Bewertungsprofil einrichten und übernehmen. Sobald die Plattform den Anbieter als legitimen Softwareanbieter verifiziert hat, wählt er zwischen einem kostenlosen oder kostenpflichtigen Tarif, und Kunden können sofort Bewertungen hinterlassen. Die Plattform lässt Ihre Kunden zwar Bewertungen abgeben, sucht sie aber nicht aktiv, es sei denn, Sie haben ein kostenpflichtiges Konto mit der Option „Reviews as a Service" (RaaS). Bewertungsplattformen sammeln Bewertungen auf drei Wegen:
- Aus eigener Initiative des Kunden
- Der Anbieter schickt Kunden aktiv auf die Plattform, um eine Bewertung für sein Produkt zu hinterlassen
- Die Plattform arbeitet gegen Gebühr mit dem Anbieter zusammen und führt anreizgesteuerte Kampagnen zur Bewertungsgewinnung durch (RaaS)
Theoretisch entscheiden also die Bewertungsplattformen, welche Fragen sie stellen, in welcher Reihenfolge und wie sie die Antworten den Käufern zeigen. Das ändert sich aber: Einige Plattformen erlauben Anbietern inzwischen, eigene Fragen in ihre Bewertungsformulare aufzunehmen. Das verwischt die Grenze zwischen Testimonials und Bewertungen weiter.[going_further_shortcode url="/reviews/top-15-software-review-websites/"]
Bewertungsbeispiel Nr. 3: Video-Bewertung von Constant Contact auf Capterra
In diesem Beispiel legt Capterra offen, dass die Plattform den Rezensenten eingeladen hat und er als Anreiz für sein Feedback eine kleine Geschenkkarte erhalten hat. Der Rezensent nennt Namen, Titel und Unternehmen, um zu zeigen, dass er eine echte Person ist und sein Feedback zählt. Er gibt seine Note ab und beantwortet vier Fragen, die er wahrscheinlich aus einer Liste ausgewählt hat.
Testimonials sammelt dagegen der Anbieter oder die Marke selbst, um sie in verschiedenen Push-Marketing-Aktivitäten einzusetzen. Dafür zuständig sind meist drei Teams im SaaS-Unternehmen:
- Marketing und Marke
- Werbung
- Customer Success
Wenn Sie das wissen, denken Sie vielleicht: Wie unvoreingenommen können solche Aussagen schon sein? Ehrlich gesagt: kaum. Testimonials sammeln Unternehmen zu Marketingzwecken, deshalb sollen sie die Vorzüge des Produkts hervorheben und nicht eine objektive Bewertung liefern. Genau deshalb suchen Unternehmen dafür immer die zufriedensten Kunden aus. Einige Wege, wie Kandidaten für Testimonials ausgewählt werden:
- NPS-Umfragen, aus denen Promotoren hervorgehen
- Langjährige Kunden, die zu Markenbefürwortern geworden sind
- Customer-Success-Teams, die ideale Kunden identifizieren, die vom Produkt profitiert haben und bereit sind, ihre Erfahrung zu teilen
Wer validiert sie
Wer validiert Bewertungen und Testimonials? Dieselbe Partei, die sie auch sammelt. Bei Bewertungen scheint das in Ordnung, weil ein Dritter grünes Licht gibt, bevor sie live gehen. Bei Testimonials ist das schon fragwürdiger: Die Marke steuert den gesamten Prozess, von der Sammlung über die Erstellung und Validierung bis zur Veröffentlichung, und kann Testimonials so zu ihren Gunsten beeinflussen. Der entscheidende Unterschied ist, wer dabei etwas zu verlieren und zu gewinnen hat. Die Bewertungsplattform hat nichts zu verlieren, egal ob gute oder schlechte Bewertungen eingehen. Sie selbst und recherchierende Käufer profitieren einfach von mehr Bewertungen. Ein höherer Anteil positiver Bewertungen hilft Marken allerdings auch, auf Drittanbieter-Plattformen besser zu ranken. Deshalb pushen viele Anbieter positive Bewertungen auf diesen Websites, und sie zahlen dafür an die Plattformen. Bei der Validierung geht es Bewertungsplattformen vor allem darum sicherzustellen, dass der Kunde, der das Feedback einreicht, echt ist. Über die Verifizierung von Nutzern, teils mit Hilfe der Anbieter oder über die Kundennummer, zeigen sie Website-Besuchern, dass eine Bewertung legitim ist, wie in diesem Beispiel von Capterra.

Bei Testimonials haben Anbieter oder Marken dagegen alles zu verlieren, vor allem Umsatz, wenn die Testimonials nicht überzeugen. Würden Sie ein Produkt von einer Marke kaufen, deren Website-Testimonials auf Schwächen ihres Produkts hinweisen? Wohl nicht. Deshalb sind Testimonials immer positiv. Der Validierungsprozess läuft intern und leicht voreingenommen ab, und für recherchierende Interessenten ist er nicht nachvollziehbar. Als Interessent müssen Sie dem Unternehmen im Grunde einfach glauben, dass verborgene Marketingmotive das Testimonial nicht beeinflusst haben. Handfeste Bestätigung bekommen Sie nur, wenn das Testimonial von einer großen, angesehenen Marke stammt. Dann trägt deren Ruf dazu bei, die Glaubwürdigkeit des Testimonials und des Produkts zu erhöhen.
Ihr Kontext
Bei Bewertungen müssen wir zunächst klären: SaaS-Bewertungsplattformen sind heute nicht mehr das, was sie ursprünglich sein sollten. Am Anfang sollten sie nur Softwarekäufern dienen. Ihr Zweck ist zwar immer noch, Käufern eine vertrauenswürdige Orientierung zu bieten, aber sie haben ihren Fokus und ihr Angebot erweitert und beziehen jetzt auch den „Verkäufer" mit ein. Ein Beispiel dazu:

Auf G2s Seite zu den Forschungsmethoden steht schon im ersten Absatz klar, für wen und wofür die Plattform gedacht ist. Diese Leitlinie verschiebt auch den Kontext, in dem Bewertungsplattformen arbeiten. Weil sie nicht mehr nur auf Käufer ausgerichtet sind, gerät ihr Ruf als „vertrauenswürdige" und „objektive" Informationsquelle ins Wanken, und ihre „unparteiische" Position gilt nicht mehr uneingeschränkt. Rechnen Sie noch die Möglichkeit „Pay to Play" dazu, mit der Anbieter ihr Bewertungsprofil aufwerten können, und das Spielfeld ist alles andere als eben. Testimonials haben dieses Problem nicht: Sie kamen und kommen immer schon vom Unternehmen oder der Marke selbst. Käufer wissen also von Anfang an, dass Testimonials nicht objektiv sind, und rechnen mit einer gewissen Voreingenommenheit. Das berücksichtigen sie bei ihrer Kaufentscheidung. Weil B2B-Anbieter diesen Interessenkonflikt kennen, arbeiten sie besonders hart daran, in ihren Testimonials möglichst viel Mehrwert für suchende Kunden zu bieten. Sie wollen ihren sozialen Beweis genauso relevant und einflussreich machen wie Bewertungen. Dafür gibt es mehrere Ansätze:
- Qualitative und quantitative Einblicke: Anbieter geben sich nicht mit irgendeinem Testimonial-Zitat zufrieden. Sie wählen gezielt die Zitate aus, die den Wert ihres Produkts und den Nutzen für Kunden in Zahlen ausdrücken. Außerdem versuchen sie, den qualitativen Wert einzufangen: Mit sorgfältig formulierten Fragen ermutigen sie Kunden, den Nutzen des Produkts mit emotionaler Sprache zu beschreiben.
- Bekannte Marken zeigen: Eine weitere sehr wirksame Taktik ist es, bekannte Marken zu präsentieren, die Ihrem Produkt Glaubwürdigkeit verleihen. Wenn führende Marken sich öffentlich für Sie einsetzen, schafft das großes Vertrauen.
- Herausforderung und Lösung: Richtig umgesetzt, gehören Fallstudien zu den besten und nützlichsten Testimonial-Formaten. Sie zeigen nicht nur den Produktnutzen in Zahlen, sondern auch, vor welchen Herausforderungen die Kunden standen und wie das Produkt sie gelöst hat.
Die nächsten zwei Beispiele zeigen, wie einige führende Marken wirkungsvolle Testimonials erstellen, die Interessenten zum Abschluss bringen.
Testimonial-Beispiel Nr. 2: Nissan-Video von Monday
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Anbieter bekannte Marken nutzen, um sofort Vertrauen aufzubauen. Das Testimonial kommt von Nissan und lobt Monday, das Tool für Projektmanagement. Anders als Bewertungsbeispiel Nr. 3 oben, das eine Minute dauert, ist dieses Testimonial-Video drei Minuten lang und deutlich professioneller produziert. Mehrere Kundensprecher kommen zu Wort, ihr Feedback wirkt einstudiert und vorbereitet. Das heißt nicht unbedingt, dass Nissan vorgegebene Sätze aufsagen musste, zeigt aber, wie viel Planung und Zeit in das Video geflossen sind.
Testimonial-Beispiel Nr. 3: Fallstudien-Testimonial von Prowly für Medstar Media

Dieses Testimonial-Beispiel ist ein Auszug aus der Fallstudie zum Kunden MedStar Media. Auf der Website von Prowly gibt das Testimonial nicht nur das Feedback des Kunden wieder, sondern zeigt auch den messbaren Nutzen (150 Veröffentlichungen), den er durch das Produkt erreicht hat. Name, Titel und Unternehmen des Kunden bestätigen zusätzlich, dass es sich um eine echte Person handelt.
Ihr Zweck
Bewertungen und Testimonials dienen ähnlichen, aber leicht unterschiedlichen Zwecken für Kunden und Anbieter.
Anbieter
Für Software-Anbieter erfüllen Bewertungen und Testimonials ähnliche Zwecke. Beide sind hochwertiger sozialer Beweis direkt von Kunden, der Vertrauen, Autorität und Legitimität schafft und letztlich mehr Conversions bringt. Konkret geht es um:
- Mehr Markenbekanntheit: Bewertungen auf Drittanbieter-Plattformen erhöhen die Sichtbarkeit und Online-Präsenz von B2B-SaaS-Anbietern. Testimonials in Social-Ads steigern die Sichtbarkeit zusätzlich.
- Mehr Markenglaubwürdigkeit: Bewertungen und Testimonials positionieren Anbieter bei potenziellen Kunden als seriös und vertrauenswürdig. Bei Bewertungen übernimmt meist das Gütesiegel der Bewertungsplattform diese Rolle. Bei Testimonials suchen Anbieter dafür gezielt Feedback von bekannten Marken in ihrem Kundenstamm.
- Noten und Abzeichen: Bewertungsplattformen leben davon, Anbieter einzustufen und zuzuordnen. Deshalb sind gute Noten und Abzeichen begehrt. Je mehr Bewertungen Ihre Marke hat, desto höher kann sie eingestuft werden. Je mehr Abzeichen Sie sich verdienen, desto überzeugender wirken Sie auf Interessenten.
- Feedback-Quelle: Ehrliche Bewertungen liefern Anbietern wertvolles Feedback zur Qualität ihres Produkts. Negative Bewertungen sind dabei genauso wichtig wie positive, weil sie in die Produktentwicklung einfließen. Testimonials können Sie nicht einfach für bare Münze nehmen, weil Anbieter und Kunde beide einen Anreiz haben, nur das Positive zu betonen. Anbieter stellen deshalb meist detailliertere Fragen zu bestimmten Aspekten, um diese Verzerrung auszugleichen.
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Kunden/Käufer
Für Softwarekäufer sind Bewertungen und Testimonials ebenfalls sozialer Beweis, aber jede Form gibt leicht andere Einblicke in die Eignung eines Produkts. Beide helfen B2B-SaaS-Kunden dabei, sich bei der Produktprüfung und der finalen Kaufentscheidung sicherer zu fühlen. Bewertungen dienen dabei folgendem Zweck:
- Vergleich: Bewertungen auf Bewertungsplattformen erleichtern es Käufern, SaaS-Anbieter zu vergleichen. Hunderte oder Tausende verifizierte Bewertungen zu mehreren Anbietern auf einer Plattform vereinfachen die Recherche.
- Entscheidungsfindung: Bewertungen zeigen echte Nutzererfahrungen, gute und schlechte, und machen Stärken und Schwächen eines Produkts sichtbar. So treffen Käufer fundiertere Entscheidungen.
- Validierung: Bewertungen und Noten anderer Softwarenutzer bestätigen Käufern ihre Entscheidung. Abzeichen von Bewertungsplattformen geben zusätzliche Sicherheit, die richtige Wahl zu treffen. Für ein Abzeichen braucht es genug positive Bewertungen, dann wirkt es automatisch vertrauensbildend.

Untersuchungen zeigen: 55 % der B2B-Käufer ziehen beim Softwarekauf 3 bis 5 Lösungen in Betracht. Als Anbieter hilft es deshalb, in den Top 3 bis 5 der relevanten Kategorie auf Bewertungsplattformen zu stehen und so im Rennen zu bleiben. Testimonials dienen einem anderen Zweck:
- Praxisbeispiel: Testimonials zeigen Kunden, wie die Software ähnlichen Unternehmen geholfen hat, wichtige Herausforderungen zu meistern und konkrete Ziele zu erreichen.
- Messbare Wirkung: Viele Testimonials zeigen die Situation vor und nach dem Kauf mit konkreten Daten, damit Käufer sich ein klares Bild vom messbaren Nutzen machen können, den sie erwarten dürfen.
- Geringeres Risiko: Testimonials von etablierten Marken senken das gefühlte Risiko für potenzielle Käufer und machen sie sicherer in ihrer Kaufentscheidung, besonders wenn sie von angesehenen Marken aus dem Umfeld des Käufers stammen.
- Einblick in die Kundenbasis: Testimonials zeigen, welche Art von Kunden das Produkt nutzt, und welche Funktionen die Kunden selbst als besonders stark empfinden.
Die Mythen im Faktencheck
Mythos Nr. 1: Bewertungen sind besser als Testimonials und umgekehrt
Fakt ist: Keines ist besser als das andere. Es sind einfach unterschiedliche Formen von sozialem Beweis. Beide bringen Kunden Vorteile und spielen eine wichtige Rolle bei jeder Kaufentscheidung im Softwarebereich. Um das Beste aus beiden herauszuholen, sollten Sie auf beide setzen. Auch als Käufer recherchieren Sie am besten beide, weil sie unterschiedliche und wertvolle Einblicke liefern.
Mythos Nr. 2: Bewertungen sind objektiv
Das wäre zwar ideal, aber leider gibt es keine Garantie, dass Bewertungen objektiv sind. Der letzte Abschnitt zum wachsenden Einfluss von Anbietern auf Bewertungsplattformen erklärt, warum: Zahlende Anbieter sind längst Kunden der Drittanbieter-Plattformen. Dieser offensichtliche Interessenkonflikt begrenzt die Objektivität. Viele Kunden merken das und haben das Gefühl, auf diesen Plattformen nicht die ganze Geschichte zu bekommen. Also suchen sie nach anderen Wegen zu einem ausgewogeneren Bild. Am häufigsten genannt werden Reddit und private Fach-Communitys, zum Beispiel auf Slack. Beide haben aber ihre Tücken: Reddit ist grundsätzlich anonym, und Slack-Communitys werden meist von einem oder mehreren Anbietern gesponsert.
Mythos Nr. 3: Bewertungen sind authentischer
Manche schon, aber längst nicht alle. Seit ChatGPT und andere Chatbots gestartet sind, nehmen KI-generierte Bewertungen zu. Bewertungsplattformen gehen zwar dagegen vor, trotzdem gibt es weiterhin KI-geschriebene Bewertungen, die alles andere als authentisch wirken.
Mythos Nr. 4: Bewertungen sind anonym
Nicht unbedingt. Das hängt davon ab, wie sie gesammelt werden und in welcher Branche. Gehen Sie auf eine beliebige Bewertungsplattform: Ich wette, Sie scrollen eine Weile, bis Sie auf eine anonyme Bewertung stoßen. Die meisten enthalten zumindest einen Namen, viele auch Titel und Unternehmen. Bewertungen können anonym sein, müssen es aber nicht.
Mythos Nr. 5: Bewertungen sind kürzer als Testimonials
Mit der Länge hat das nichts zu tun. Bewertungen und Testimonials können so kurz oder so lang sein, wie ihr Verfasser möchte. Bewertungen reichen von 100 bis 2000 Wörtern, je nach Plattform. Testimonials können ein einziges Zitat, eine Umfrage mit 15 Fragen oder eine 3000 Wörter lange Fallstudie sein. Für die Länge gibt es bei beiden keine festen Regeln.
Der Bedarf an Klarheit: Wem dienen Bewertungen und Testimonials?
Bewertungsplattformen stehen auf wackligem Boden. Ein Bericht von TrustRadius aus 2023 zeigt zwar, dass 61 % der Technologiekäufer Nutzerbewertungen immer noch als einflussreichste Informationsquelle einschätzen. Andere Untersuchungen deuten aber darauf hin, dass immer mehr Nutzer von Bewertungswebsites das Vertrauen in diese Plattformen verlieren. Laut dem Bericht „State of B2B Software Reviews" von 2023 schränken 50 % der Nutzer von B2B-Software-Bewertungsseiten ihre Nutzung ein, weil sie die Authentizität anzweifeln, und 49 % wegen wahrgenommener Bewertungsinflation. Die Frage lautet also: Wem dienen diese Plattformen wirklich, Kunden oder Anbietern? Nach dem, was ich beobachte, richten sich Bewertungswebsites zunehmend an Anbietern aus. Das ist ein Problem für alle Beteiligten, und ich erkläre, warum.
- Für Bewertungsplattformen: weil es ihren Ruf als „objektive", „unvoreigenommene" und „vertrauenswürdige" Informationsquelle im Zusammenspiel zwischen B2B-SaaS-Käufern und -Verkäufern untergräbt
- Für Anbieter: weil ihr wachsender Einfluss auf diesen Plattformen den eigentlichen Zweck von Bewertungen aushöhlen könnte, die als wichtige Quelle für sozialen Beweis und Vertrauen dienen
- Für Kunden: weil sie das Vertrauen verlieren und zusätzliche Quellen suchen müssen, um die glaubwürdigen und authentischen Einblicke zu bekommen, die sie beim Kauf von SaaS-Produkten brauchen
Aber es ist noch nicht zu spät für eine Lösung, die Kunden und Anbietern langfristig dient. Statt sich blind von positiven Bewertungen und Scores leiten zu lassen, sollten Anbieter sich meiner Meinung nach auf drei Dinge konzentrieren:
- Respekt vor dem Kunden: Klar, Sie wollen mehr Umsatz machen. Aber zweifelhafte Taktiken funktionieren nur, bis Ihre Kunden sie durchschauen, und dann verlieren Sie den Ruf und das Vertrauen, die Sie sich über Jahre aufgebaut haben. Die B2B-SaaS-Unternehmen, die dauerhaft wachsen, sind die, die sich an den Bedürfnissen ihrer bestehenden Kunden orientieren und nicht nur ihre Interessentenliste vergrößern wollen.
- Der Wert von ehrlichem, ungesteuertem, organischem Feedback: Kümmern Sie sich um die Bedürfnisse Ihrer bestehenden Kunden, bedienen Sie sie gut und übertreffen Sie ihre Erwartungen, und die Bewertungen und Noten, die Sie wollen, entstehen ganz von selbst. Bewertungen und Testimonials verlieren an Authentizität, sobald Sie Kunden vorgeben, was sie schreiben oder sagen sollen. Interessenten merken das meistens, weil es einfach zu positiv wirkt.
- Produktentwicklung: Das mag widersprüchlich klingen, aber Sie sollten sowohl negative als auch positive Bewertungen sehen wollen. Das zeigt Interessenten und Käufern, dass die Plattform objektiv ist. Eine negative Bewertung, die eine Antwort des Unternehmens mit einer Lösung erhält (direkt auf der Plattform), wiegt mehr und wirkt vertrauenswürdiger als ein Anbieter, der nur positive Bewertungen hat. Bedenken Sie außerdem: Negatives Feedback ist eine unschätzbare Ressource für Ihr Produktteam. So erfahren Sie, was Ihrem Produkt noch fehlt, und können es verbessern.